Wohnen im Modellquartier

Eine innovative Heiztechnik, zahlreiche Recyclingmaterialien und eine grüne Mitte für das Miteinander machen das Quartier Op’n Hainholt zum Klimamodellquartier. Das hat Potenzial zum Nachmachen.

Op’n Hainholt: Ein Modell fürs Klima

Es sieht alles ganz normal aus: Reihenhäuser, ein paar Doppelhäuser und Eigentumswohnungen. Doch der Eindruck täuscht: Das kleine Quartier in Hamburg-Sülldorf, das im Jahr 2016 fertiggestellt wurde, gilt als eine der innovativsten ökologischen Siedlungen Hamburgs. „Und dabei ist es auch optisch total ansprechend.“, so eine Mutter von drei Kindern, die mit ihrer Familie in einer der 49 Wohneinheiten lebt.

Innovation unter der Erde

Wer sich für die Details interessiert, muss im wahrsten Sinne des Wortes hinter die Fassaden gucken – oder besser noch unter die Erde. Denn dort verbirgt sich der sogenannte Solar-Eis-Speicher. Vereinfacht ausgedrückt funktioniert er so: Während der warmen Jahreszeit wird das Wasser in dem Speicher mit Hilfe von Solarkollektoren auf circa 16 Grad Celsius erwärmt. In der kalten Jahreszeit entzieht eine Wärmepumpe dem Speicher dann die notwendige Energie, um die Häuser und Wohnungen zu beheizen und das Wasser zu erwärmen – so lange, bis das Wasser in dem Speicher zu Eis wird.

Sparen schon beim Bau

„Uns waren die Umweltaspekte schon wichtig: Dass man nicht in einer Energieschleuder wohnt, wenn man Kinder in die Welt setzt.“, so die junge Mutter. Denn schon in der Bauphase war der Anspruch an die Gebäude hoch. Es wurden ausschließlich Recyclingmaterial und nachwachsende Rohstoffe verwendet: Die Wände der Häuser bestehen aus Ziegelsteinen alter, nicht mehr genutzter Mecklenburger Scheunen. Die Bodenplatte ist aus Recycling-Beton und der Keller wurde mit sogenanntem Schaumglasschotter isoliert, der aus alten Fenster- und Autoscheiben hergestellt wurde. Im Ergebnis konnten während des Bauprozesses 40 Prozent der üblicherweise eingesetzten Energie eingespart werden. Für die junge Familie fühlt sich das gut an: „Zu wissen, dass in unserem Haus nachhaltige Baustoffe und viel Recyclingmaterial verwendet wurde und wir nicht von Kunststoff umgeben sind.“

Raum zum Spielen

Im Zentrum des Quartiers befindet sich eine große Grünfläche, die von allen Bewohnerinnen und Bewohnern gleichermaßen genutzt wird. „Für uns ist das ein verlängerter Garten, den wir noch nicht einmal bewirtschaften müssen. Das ist toll!“, so die Mutter der drei Kinder. Knapp 50 Wohneinheiten befinden sich auf dem Gelände, das ganz nah an der Haltestelle Sülldorf liegt. Ein weiterer Punkt für das Klima: In knapp 30 Minuten ist die S-Bahn direkt in der Hamburger City. Nur eines fehlt im Quartier: Fahrradstellplätze für die zahlreichen Familien, die dort wohnen. „Eigentlich braucht man in dieser Lage gar kein Auto. Da überlegen wir gerade, wie man das verbessern kann.“ Denn davon abgesehen fühlen sich die Bewohner dort richtig wohl.