Unsere Schülerreporter in Aktion

Für den Schülerwettbewerb #moinzukunft begleiteten Marcel Busch, Melanie Busch und Nele Wittwer die Klasse M2 (Jg. 7/8) der STS Maretstraße.

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Wettbewerb Moinzukunft gestartet

Marcel Busch, Melanie Busch und Nele Wittwer arbeiteten bereits 2017 als Schülerreporter für die Bildungswoche Wetter.Wasser.Waterkant. Ihre markanten Reportagen veranlassten uns, sie um einen Bericht über eine Wettbewerbsteilnahme an #moinzukunft zu bitten. Im Juni vollendeten sie zunächst erfolgreich ihr Abitur an der Goethe-Schule Harburg. Sie hatten sich mehrfach in den vergangene zwei Jahren durch ihr besonderes Engagement im Oberstufenprofil Ökosystemforschung ausgezeichnet, leisteten über den Unterricht hinaus Beiträge an verschiedenen Schnittstellen zur angewandten Wissenschaft, z.B. im Rahmen von Projekten der Hamburg Open Online University HOOU (Knifffelix, Ruvival, MikiE und SIDS). Für den Schülerwettbewerb #moinzukunft begleiteten sie die Klasse M2 (Jg. 7/8) der STS Maretstraße.

Maret 2030: Ideen für eine klimafreundliche Schule!

Ein Wettbewerbsbericht von Marcel Busch, Melanie Busch und Nele Wittwer

Gestern noch stehende Hitze, heute ein starker Platzregen mit großkörnigem Hagelschlag, Schäden in Millionenhöhe. Der Klimawandel lässt grüßen!

In der Hamburger Politik rückt die Anpassung der Stadt an Extremwetterereignisse zunehmend in den Vordergrund, Anpassung in gesamtgesellschaftlicher Verantwortung, dazu gehören auch die Jugendlichen der Stadt, Schulen sind hier eine wichtige Schnittstelle zur Kommunikation zwischen den Generationen der Zivilgesellschaft.

Uns interessiert, wie stark Schülerinnen und Schüler ein Bewusstsein für notwendige Anpassungsprozesse entwickeln. Aus diesem Grund mischten wir uns für einige Tage unter die Schülergruppe der Klasse M2, Jahrgang 7/8 der Stadtteilschule (STS) Maretstraße und begleiten sie bei der Erarbeitung ihres Wettbewerbsbeitrags für #moinzukunft.

Krisensitzung

Freitag, 08.06. 2018. Nur wenige Tage nach dem heißesten Mai seit 1881.

12:58 | Dachgeschoss der STS Maretstraße, Klassenraum der M2, Jg. 7/8. Rauminnentemperatur 30,4°C, Deckentemperatur 32,4°C. Gefühlt: Glutofen. Konzentrierter Unterricht scheint unter solchen Bedingungen kaum denkbar.

Der Schulhof zur gleichen Zeit: erbarmungslose Hitze, Außentemperatur 33°C im Schatten; dieser ist rar. Nur hier und da huschen Schülergruppen beim Wechsel zwischen den Gebäuden eilig über die sirrend heißen Gummibeläge, auf denen normalerweise gespielt werden soll. Deren Oberflächentemperatur: 58°C!

Montag, 11.06. 2018.

8:00 | Die Schülerinnen und Schüler der M2 betreten ihren Klassenraum. Rauminnentemperatur 29,6°C. Fenster auf. Zum Glück ist es draußen kühler, bis zum Mittag sinken die Temperaturen im Klassenraum auf 27°C. Zu warm zum Schlafen, aber Lernen geht?

Krisensitzung der M2: Schulgebäude vor 8 Jahren gebaut, Außengelände gestaltet… damals gab es noch keinen Klimawandel? Der spontane Eindruck wirft Fragen auf! Was muss sich ändern, wie kann sich die Schule an solche extremen Hitzewellen besser anpassen? Brainstorming in der M2: Gründach zur kühlenden Isolation, Solarzellen erzeugen Energie für Aircon o.ä., aber was ist mit dem Schulhof? Mit Fotoapparat, Wärmebildkamera und weiteren Messinstrumenten ausgestattet verlagert die M2 den Unterricht nach draußen…

Schulgarten? Trauerspiel. Kirschbäume mit starker Welke, keine Früchte (mehr). Hoffnungslos verdorrte Rabatten. Nur mediterrane Gewächse widerstehen… bisher noch.
Hofbäume, vor 8 Jahren beim Bau der Anlage gepflanzt: noch immer zwergenhaft, mit schütterem Schatten, das dauert wohl noch 30 Jahre?

Andere Wetterextreme kommen in den Sinn: Schulhof mit Hanglage, Teil vom oberen Elbhang. Regenwasser strömt rasch ab. Gummimatten zwar porös (überprüft: Wasser zieht ein), aber Starkregen rauscht in den unteren Teil des Schulhofs, wertvolle Wassermassen verschwinden ungenutzt in der Kanalisation.

Rasch bilden sich AG`s: Gründach, Solarpanel, Regenwassertank mit Bewässerungssystemen, Entsiegelung und Schattenspender, Wasserspender… Wahnsinn, was für ein direkter Zugriff! Es wird gemessen, gerechnet, meterweise überziehen Kreidelinien den Hof. Im Klassenraum wird die Schule über Google Maps ans Smartboard projiziert, Dachflächen werden vermessen, der Traum vom Dachgarten geboren. Der Hausmeister reagiert überrascht auf die Frage, ob ein Foto der Dachfläche möglich sei. Leider wurde beim Bau des Gebäudes kein Zugang zum Dach angelegt... Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden? Egal, wer sich nicht bewegt, den holt die Welt nicht ab! Großartige Kids, die M2 legt los, jetzt, Impulsgeber, Trendsetter, ein Wettbewerbsbeitrag für #moinzukunft entsteht! Maret 2030! Yes!!!

Auf Ideen-Jagd in der Behörde für Umwelt und Energie

Montag, 18.06. 2018.

9:00 | Seminarraum in der Behörde für Umwelt und Energie

Herr Davidse begrüßt die Klasse M2 in einem Seminarraum, irgendwo in den Weiten der Umweltbehörde. Herr Davidse ist der für Kommunikation zuständige Mitarbeiter der Leitstelle Klimaschutz. Auch ihn interessiert, welche Vorstellungen Jugendliche für ein klimafreundliches Hamburg entwickeln, mit welchen Ideen sie gerne Beiträge liefern würden. Hier treffen sich Partner auf der Suche nach den Ideen des jeweiligen anderen.

Facettenreich berichtet Herr Davidse über die Ziele der Leitstelle und seine täglichen Aufgaben.

Green City! Gespannt lauschen die Schüler über die verschiedenen Maßnahmen zur städtischen Anpassung an den Klimawandel. Dabei geht Herr Davidse gezielt auf die besonderen Informationsinteressen der Schülerinnen und Schüler ein, wie zum Beispiel auf die besondere Bedeutung von Gründächern, regt darüber hinaus auch weitere Themen an.

10:00 |Dachgarten der Behörde für Umwelt und Energie

Von der Theorie zur Praxis, vom Seminarraum hinaus ins Freie:
„Dieser Garten soll eine Dachterrasse sein?“ Viele ungläubige Gesichter, so viel lebendige Natur kann sich auf einem künstlichen Untergrund entwickeln?

Ausgestattet mit einem Fragebogen untersuchen die Schüler den Dachgarten im Detail. Anpassungsstrategien von Pflanzen an extreme Standortbedingungen, Blähton, Belüftungsschächte, behaarte Blätter, Wachsschichten, Anatolische Steppen. Zusammenhänge werden deutlich, der Traum eines Dachgartens manifestiert sich. Sogar Springseilspringen und Uno-Spielen wird auf dem Dachgarten der BUE begeistert erprobt. Warum hier, warum (noch) nicht auf dem Dach des Schulgebäudes?
Notizen werden gemacht, nach kurzer Zeit tummeln sich viele Ideen für die eigene Schule auf den Schreibblöcken der Schülerinnen und Schüler. Mit einer reichen Ausbeute an Anregungen kehren sie zufrieden zur Schule zurück.

Mittwoch/Donnerstag; 21./22. + 27./28.06.

8:30 – 13:30 | Medienproduktion; Klassenraum und Schulgelände

Es hätten Berichte geschrieben, ein Theaterstück entstehen können. Die M2 arbeitet jedoch an einer Posterserie: Ursachen, Probleme, Lösungen… ein schöner Dreiklang, bildreich und mit prägnanten kurzen Texten in Szenen gesetzt, Themenposter, arbeitsteilig. Alles digital gestaltet. Die STS Maretstraße gehört zu den ersten BYOD-Schulen Hamburgs (Bring Your Own Device), die Kids haben die Computer der Schule im schuleigenen WLAN, können aber auch jederzeit mit eigenen Geräten, wie z.B. ihren Smartphones, das Netz der Schule nutzen.

Voller Tatendrang also ran ans Werk. PowerPoint, DIN A1, hochkant. Aber wie sollen Inhalte sortiert werden, informativ und anschaulich darstellbar?
Corporate Design, Aspekte, denen viele erstmalig Aufmerksamkeit schenken, horizontale und vertikale Fluchtlinien, einheitlicher Stil.

Die AG´s sichten ihre Notizen und wählen aus einem großen Pool von Bildern aus, alle während der letzten Tagen entstanden. Die Suche nach dem perfekten Bild beginnt. Assoziative Gebilde aus Bildern und Texten nehmen auf den Postern erste Gestalt an. Komplexe Anforderungen, für einige in dieser Ausprägung ein völlig neues Terrain, andere sind in der Umsetzung kaum zu stoppen, prima, warum auch.

Die konzentrierte Arbeit wird immer wieder unterbrochen, weil bestimmte Bilder oder Messungen noch ergänzt werden müssen. Mal werden die letzten Sonnenstrahlen vor einem herannahenden Schauer ausgenutzt, um bildhaft gleißende Hitze zu imitieren, mal der nächste kräftige Schauer, um einen klatschnassen Schulhof zu dokumentieren. Neue Szenen werden konstruiert, skizziert, fotografiert und eingefügt. Texte werden formuliert, diskutiert und angepasst. Multitasking auf ganzer Linie.

Wir sind beeindruckt. Eine ganze Klasse erarbeitet einen Wettbewerbsbeitrag. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, die Argumente wiegen schwer, eine klimafreundliche Schule sieht anders aus. Die M2 legt fiktiv vor. Was davon könnte realisiert werden? Wer sind die Unterstützer? Wir sind gespannt!
Vielen Dank M2, dass wir euch begleiten durften!