Was ist eigentlich… Fernwärme?

Fernwärme muss nicht aus der Ferne kommen. Denn manchmal liegt das Gute ganz nah – zum Beispiel in der HafenCity. Hamburg fördert die Errichtung der Energiezentrale mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).

Fernwärme im Umbruch

Von „Fernwärme“ spricht man, wenn Warmwasser und Heizung nicht im eigenen Heizungskeller produziert werden, sondern Wärmeerzeuger und Gebäude, die mit Wärme versorgt werden, in einem Netz miteinander verbunden sind. Die Wärme wird als heißes Wasser über ein zumeist unterirdisches Rohrleitungssystem zu uns Verbrauchern transportiert. In Hamburg tut sich in Sachen Fernwärme gerade Einiges.

Wärme aus dem Hamburger Hafen

Zum Beispiel in der HafenCity Ost: Der Energiedienstleiter enercity contracting versorgt den neuen Stadtteil mit Fernwärme und nutzt dafür Wärme aus der Kupferherstellung des Metallproduzent Aurubis. Die Wärme entsteht als sogenannte Abwärme in der Industrie: Dort kann sie aber häufig niemand brauchen. Das galt auch für Europas größte Kupferhütte auf der Peute-Insel im Hamburger Hafen. Dort entsteht bei der Kupferschmelze Schwefeldioxid, das von Aurubis zu Schwefelsäure verarbeitet wird. Dabei fällt viel Wärme an, die bisher aufwändig mit Elbwasser gekühlt und abgeführt werden musste. Das ist nun nicht mehr nötig, denn die Wärme wird über eine insgesamt 3,7 km lange Wärmetransportleitung von Aurubis in die HafenCity zum Heizen geschickt.

Weniger CO2 dank Abwärme

Um die Abwärme außerhalb des Werksgeländes zu nutzen, war ihre Temperatur bisher zu niedrig. Die Kupferhütte hat ihren Produktionsprozess so umgestellt, dass die Industrieabwärme mit der passenden Temperatur über eine neue Fernwärmeleitung des Unternehmens enercity contracting in die HafenCity Ost geleitet werden kann. Dort dient sie zum Heizen und zur Erzeugung von Warmwasser. Durch die Nutzung der Industrieabwärme von Aurubis für die Wärmeversorgung in der HafenCity Ost können so mittelfristig rund 4.500 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden.

Ein wegweisendes Modell

Die Errichtung der Energiezentrale am Georgswerder Damm wird von der Hamburger Behörde für Umwelt und Energie (BUE) mit Mitteln der Europäischen Union (EU) gefördert. Umweltsenator Jens Kerstan erläutert: „Neben erneuerbaren Wärmequellen spielt die Nutzung von industrieller Abwärme eine wichtige Rolle bei der Minderung der CO2-Emissionen in der Wärmestrategie des Senats. Mit der östlichen Hafencity wird erstmals ein ganzer Stadtteil in Hamburg mit Abwärme aus einem Industriebetrieb versorgtWärmenetzbetreiber und Industrieunternehmen haben hier ein Geschäftsmodell gefunden, das sich rechnet und gleichzeitig wegweisend ist für die Energiewende in Hamburg.“

Fernwärmenetz in der Hand der Stadt

Ein großer Schritt für den Klimaschutz und für eine sichere, bezahlbare Energieversorgung ist der Rückkauf der Fernwärmenetzes. Der Senat setzt um, was die Bürgerinnen und Bürger 2013 in einem Volksentscheid beschlossen haben. Mit dem Rückkauf schafft die Stadt die Grundlage für eine erfolgreiche Energiewende in Hamburg. Mit einem Anteil von 80 Prozent dominiert bei der Fernwärme als Energieträger derzeit noch die klimaschädliche Steinkohle. Damit soll in wenigen Jahren Schluss sein, der Ausstoß von Treibhausgasen wird dadurch erheblich reduziert. Mit einem innovativen Wärmekonzept wird die Fernwärmeversorgung auf erneuerbare Energien, CO2-ärmere Brennstoffe und industrielle Abwärme umgestellt.