Ackern fürs Klima

Was bedeutet eigentlich Mulchen? Wo kommen Tomaten im Winter her? Und was hat das alles mit unserer Umwelt zu tun?

Ackern für das Klima

Von Marleen Berner, Ackerdemia e.V.

Diese und weitere Fragen stellen sich die Schüler*innen des Gymnasiums Rahlstedt im Rahmen des Bildungsprogramms GemüseAckerdemie, das mit Mitteln des #moinzukunft – Hamburger Klimafonds gefördert wird. Die Antworten erleben sie dabei direkt auf dem eigenen Schulacker.

Die Mai-Sonne strahlt über dem SchulAcker des Gymnasiums Rahlstedt, auf dem vier Schülerinnen, ihr Lehrer Herr Oluz und das Team der GemüseAckerdemie sich zur zweiten Pflanzung zusammengefunden haben. Die Hamburger Schule ackert seit diesem Jahr mit der GemüseAckerdemie – und hat sich ganz auf die Corona-Bedingungen eingestellt. Da derzeit keine klassenübergreifenden Projekte möglich sind, findet die Pflanzung stellvertretend für die Garten-AG „Pirates of Nature” statt. Mit viel Arbeit und Liebe fürs Detail hat Herr Oluz in den letzten Wochen den Acker von Unkraut befreit und fleißig gehackt, den Zaun gesetzt und die Beete mit einer Nummer und Bildkarten vom Keimling bis zum fertigen Gemüse versehen. Jetzt heißt es: Auf den Acker, fertig, los!

Mulchen als Beitrag zum Klimaschutz

Die vier Schülerinnen Zoe, Ronja, Casey und Josefine sitzen zusammen mit dem Team der GemüseAckerdemie auf einer Wiese und diskutieren die Frage: „Was hat euer Acker eigentlich mit Klimaschutz zu tun?“ Ronja und Josefine sind bereits länger im Schulgarten aktiv, die anderen beiden Mädchen sind heute das erste Mal dabei. In der Diskussion fallen viele Begriffe wie CO2, Luftverschmutzung oder Ozon. „Je mehr wir pflanzen, desto mehr CO2 geht weg und umso mehr Sauerstoff haben wir“, erklärt Ronja. Pflanzleiter Jens Clausen ergänzt, wie wichtig die Bindung von CO2 im Boden ist. Doch wie macht man das? Die Antwort lautet: „Mulchen“. Was das bedeutet, erfahren die Schülerinnen auf dem Acker. Sie sammeln Blätter und verteilen sie auf den Beeten der starkzehrenden Pflanzen. In diesen Mulchbeeten pflanzen sie im Anschluss Gurken, Tomaten oder Kürbisse – also Pflanzen, die einen hohen Bedarf an Nährstoffen haben. Beim Mulchen wird der offene Boden zwischen den Gemüsepflanzen mit Rasenschnitt, Laub, Blattwerk und ähnlichem bedeckt, was den Humusaufbau im Boden fördert. Humus besteht zur Hälfte aus Kohlenstoff, der aus dem Kohlendioxid der Luft stammt. Je höher der Humusgehalt im Boden, desto mehr Kohlendioxid wird also der Atmosphäre entzogen. „Mulchen stellt daher einen direkten Beitrag zum Klimaschutz dar“, erklärt Jens Clausen.

Der Acker als naturnaher Lernort

Das Gymnasium Rahlstedt steht noch ganz am Anfang der GemüseAckerdemie. Ziel des mehrjährigen Bildungsprogramms ist die langfristige Integration des Ackers in den Unterricht. Die Schulleitung in Rahlstedt war von Anfang an mit an Bord. Die Pflanzung führt auch Schulleiter Herrn Frankenfeld und seinem Stellvertreter Herrn Roeckner vor Augen, wie die Schülerinnen auf dem Acker den Zusammenhang zwischen Pflanzen, Boden und Klimaschutz direkt erfahren. “Der Acker ist mein Klassenraum”, erzählt Lehrer Oluz begeistert. Er liebe es, die Schüler*innen draußen durch ihre Erfahrungen und Beobachtungen für die Natur zu sensibilisieren. Ergänzend kommen die Bildungsmaterialien der GemüseAckerdemie ins Spiel. Sie greifen die komplexen Zusammenhänge zwischen Klimawandel und dem Verbrauch unserer natürlichen Ressourcen auf – beispielsweise mit Fragen wie “Wo kommen unsere Tomaten eigentlich im Winter her?”. Der praktische Gemüseanbau auf dem Acker zeigt den Schüler*innen und Lehrer*innen die klimafreundliche Alternative: Regionales oder sogar selbst angebautes Gemüse aus ökologischer Landwirtschaft.

Fürs Erste verabschieden sich Ronja und Zoe lachend von dem Team der GemüseAckerdemie. Zu Hause wollen sie die Eltern mit ihrem neu gewonnen Wissen verblüffen: Denn wer weiß schon, dass die Erdbeere eine Nuss, die Tomate ein Obst und Rhabarber ein Gemüse ist?

Werdet AckerSchule in Hamburg!

„Eine Generation, die weiß, was sie isst“ – dafür setzt sich der gemeinnützige Verein Ackerdemia mit seinem vielfach ausgezeichneten Bildungsprogramm GemüseAckerdemie ein. Innerhalb eines Jahres bauen Kinder dabei bis zu 30 verschiedene Gemüsearten an und lernen alles rund um Natur, Landwirtschaft und Nachhaltigkeit – 2020 an rund 650 Kitas und Schulen in ganz Deutschland. Ackerdemia unterstützt die Lernorte mit einem umfangreichen Service bei der Einrichtung, Durchführung und nachhaltigen Etablierung des Bildungsprogramms. Möchtet auch ihr ab Herbst gemeinsam mit eurer Schule an der GemüseAckerdemie teilnehmen? Dann meldet euch so schnell wie möglich bei Silva Schäfer unter s.schaefer@gemueseackerdemie.de oder über die Webseite der GemüseAckerdemie und sichert euch einen der letzten bezuschussten Plätze für dieses Jahr!