„Klimaretter gesucht“: Drei Monate CO₂-Challenge und den Alltag klimafreundlich checken

Die Challenge von Ende Februar bis Ende Mai ist zu Ende. 21 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren dabei, drei Haushalte aus jedem Hamburger Bezirk. Beworben hatten sich über 180 Interessierte. Sie haben mit dem #moinzukunft CO2-Fußabdruckrechner ihre persönliche CO2-Bilanz aufgestellt und ihren Alltag auf Klimafreundlichkeit geprüft. Mitgemacht haben Familien, Studierende und Pensionierte, Personen in Mietwohnungen und mit Eigenheim, mit Auto oder ohne, vegan oder auf Mischkost, bereits aktiv im Klimaschutz oder interessiert daran, es zu werden.

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Hamburgs Klimaretter gesucht

Der eigene CO2-Fußabdruck

Gemeinsam mit Nachhaltigkeitswissenschaftlerin Lisa Hauswald von der ZEBAU wurde mit dem #moinzukunft CO2-Rechner die individuelle CO2-Bilanzen für 2019 und 2020 aufgestellt. So konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehen, wie viel CO2 sie selbst durch Reisen, Wohnen, Konsum und Ernährung verursachen um die Stellschrauben für einen niedrigeren Verbrauch ausfindig zu machen. Einige waren mit geringer Wohnfläche oder Ökostrom bereits sehr klimafreundlich unterwegs, andere hatten wegen Fernreisen, wegen des Autos als Hauptfortbewegungsmittel oder aufgrund ihres großen Hauses einen deutlich größeren CO2-Fußabdruck.

Einsparmöglichkeiten finden und umsetzten

Um das Energiesparen in den eigenen vier Wänden voranzubringen, haben Energieberaterinnen und Energieberater der Hamburger Energielotsen direkt vor Ort Termine für Energie-Checks ausgemacht und beraten.  Zusätzlich wurden durch drei Fragebögen der Stand und das Vorgehen beim persönlichen Klimaschutz ermittelt, Energiefresser im Haushalt ausfindig gemacht und Tipps für Verbesserungen gesammelt.

Wegen der Corona-Pandemie fand nur einer der drei geplanten Workshops in der Umweltbehörde statt, die beiden anderen Termine wurden als Webinare angeboten. Expertinnen und Experten haben zu den Themen „Plastik und Verpackungen“, „Nachhaltiges Banking“ und „Klimafreundliche Ernährung“ referiert. In der Abschlussrunde haben alle Klimaretterinnen und Klimaretter in selbstgestalteten Collagen ihre Erkenntnisse, Erlebnisse, Erfolge und Herausforderungen in der Aktionszeit vorgestellt.

Das Ergebnis der Aktion ist beeindruckend: Fast die Hälfte der Klimaretterinnen und Klimaretter hat ihre persönliche CO2-Bilanz im Vergleich zum Vorjahr um mindestens ein Drittel verbessert. Einige haben ihren Verbrauch sogar um bis zu 50% reduziert. Nur drei Personen verursachen jetzt mehr CO2 als 2019.

Erkenntnisse aus der Aktion

Die Bandbreite simpler, aber effizienter CO2-Einsparmöglichkeiten ist enorm: Einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Aktion sind zu Öko-Stromanbietern gewechselt und interessieren sich für kleine und Kleinstsolaranlagen, die man sogar auf dem Balkon installieren könnte. Preiswerte Messgeräte zeigen Einsparpotenziale bei Haushaltsgeräten aller Art, der neue Kühlschrank A+++ halbiert die Stromrechnung, die letzten Glühbirnen wurden durch Energiesparlampen und LEDs ersetzt. Eine Familie wird die Öl- durch eine Holzpellet-Heizung ersetzen. Ältere Personen in Mehrzimmerwohnungen bemühen sich um Mitbewohnerinnen und Mitbewohner, da große Wohnflächen, die von nur wenigen genutzt werden, den persönlichen CO2-Ausstoß in die Höhe treiben.

Lebensmittel: hier wird vermehrt auf regionale und saisonale Produkte gesetzt. Butter lassen viele jetzt links liegen – sie verursacht mit rund 24 Kilogramm CO2 pro einem Kilogramm den größten Fußabdruck unter den Lebensmitteln. Bei einigen Teilnehmenden wurde der Sonntagsbraten neu erfunden: Fleischkonsum nur noch einmal pro Woche. Besonders die Kinder drängen auf vegetarische oder sogar vegane Kost. Mit Recht, denn der CO2-Fußabdruck von Rindfleisch beträgt bei einem Kilogramm Fleisch durchschnittlich 15 Kilogramm CO2.  Ein Kilogramm Gemüse verursacht im Schnitt nur 150 Gramm CO2. Eine Teilnehmerin stellt ihren Blumengarten auf Obst und Gemüse um. Auch Lebensmittelverschwendung soll reduziert werden und wenn mal etwas weggeworfen werden muss, dann am besten sauber getrennt in die Biotonne.

Haushaltsputz: Es geht auch ohne aggressive Chemie. Natron, Zitronensäure, Essig und Schmierseife reichen aus, um Haus oder Wohnung auf Hochglanz zu bringen. Kaffeesatz, altes Mineralwasser und Kochwasser vieler Gemüse geben hervorragenden Dünger ab. Normale Lappen ersetzen solche aus Kunststoff und deren abgeriebene Kleinstpartikel gelangen nicht mehr ins Abwasser.

Mobilität: Der ganz große Renner ist bei fast allen Klimaretterinnen und Klimarettern das Fahrradfahren, selbst eingefleischte Autonutzerinnen und Autofahrer erledigen jetzt Einkäufe auf zwei Rädern. Bei Reisen soll die Bahn das Flugzeug ersetzen. Eine Familie schwört auf ihr neues E-Lastenfahrrad, andere verzichten immer mehr aufs Auto oder haben ihren Wagen kurzerhand verkauft. Wieder andere betreiben privates Carsharing – ein Wagen wird im Freundeskreis reihum genutzt. 

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer freuen sich über viele weitere anregende Tipps, wollen sich über das Ende der Aktion hinaus austauschen und vor allem auch ihren Bekanntenkreis mit ihren Ideen anstecken. Da man so viel ausprobieren kann, war immer wieder zu hören: Klimaschutz kann richtig Spaß machen.