Was ist eigentlich… Starkregen?

Wir sind aus Hamburg, nicht aus Zucker! Aber bei Starkregen haben auch Hamburgerinnen und Hamburger nichts mehr zu lachen. Doch wie viel Regen ist eigentlich Starkregen, und warum steigen die Risiken?

Starkregen in Hamburg

Starke Regenfälle kommen in Hamburg häufiger vor als früher - mit gravierenden Folgen. In den letzten zehn Jahren verzeichnete unsere Stadt über 180 Starkregenereignisse – und wahrscheinlich wird es in Zukunft noch mehr. Daher ist es wichtig das Phänomen Starkregen zu verstehen.

Ab welcher Niederschlagmenge spricht man von Starkregen?

Starkregen ist im Prinzip einfach eine große Regenmenge pro Zeiteinheit. Das können Minuten, Stunden, aber auch Tage sein. Der Deutsche Wetterdienst gibt ab einer vorhergesagten Niederschlagmenge von 15 bis 25 l/m² in 1 Stunde oder 20 bis 35 l/m² in 6 Stunden eine Warnung vor Starkregen ab. Ab einer Niederschlagmenge von 40 l/m² in 1 Stunde oder 60 l/m² in 6 Stunden wird eine Warnung vor extremem Unwetter abgegeben. Solche Regenmengen gibt es meist im Sommer, wenn sich nachmittags Gewitterzellen bilden und es für eine kurze Zeit kräftig regnet. Bei der Regenintensität wird in 12 Stufen im sogenannten Starkregenindex unterschieden. Je heftiger der Regen, desto höher wird er eingestuft. Entscheidend dabei ist wie häufig derartige Regenmengen an dem Ort vorkommen. Dabei kann ein sehr heftiger, kurzer Wolkenbruch genau so selten vorkommen wie ein intensiver Dauerregen, so dass beide Ereignisse gleich eingestuft werden können.

Starkregenindex Starkregenindex

(Bild: HAMBURG WASSER)

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Das mit den Intensitäten und Dauerstufen ist ziemlich komplex, aber der Hintergrund ist recht einfach. Bis zu einer gewissen Regenmenge müssen die Entwässerungsanlagen in der Stadt in der Lage sein, das Regenwasser abzuleiten. 40 Liter pro Quadratmeter am Tag ist dabei kein Problem. Schwierig wird es erst, wenn diese Mengen innerhalb kürzester Zeit runterkommen und die Entwässerung ihre Kapazitätsgrenze erreicht. Auch Dauerregen kann die Entwässerungsanlagen unter Druck setzen. Irgendwann sind die Rückhaltebecken voll und die Gewässer überlastet. 

Die Online-Starkregenkarte Hamburg

Wie stark es gerade regnet, oder wie intensiv Starkregenereignisse in der Vergangenheit waren, kannst du auf der Online-Starkregenkarte von HAMBURG WASSER sehen. Das Online-Tool kombiniert dazu Daten, die die Hamburger Messstellen sammeln mit den Aufzeichnungen des Regenradars, das der Deutsche Wetterdienst betreibt. Das Radar misst durchgehend, wie dicht der Regen fällt. Die Sammeltöpfe funken alle fünf Minuten durch, was davon gerade am Boden ankommt. Die Informationen werden dann auf einer Karte der Metropolregion abgebildet und entsprechend der Regenstärke eingefärbt: bei leichtem Regen in Blautönen, bei Starkregen von grün bis violett.

Die Starkregengefahrenkarte zeigt, wo Starkregenrisiko besonders hoch ist

Die Regenmengen werden in Hamburg schon lange gemessen – bisher wurden sie jedoch nicht so detailliert und zeitnah veröffentlicht. Die Statistik der letzten zehn Jahre: Mehr als 180 Starkregen im Hamburger Stadtgebiet, von denen jeder achte so stark war, dass Keller oder Unterführungen volllaufen konnten. Wo die Risiken dafür besonders groß sind, zeigt wiederum die Starkregengefahrenkarte. Sie zeigt wo sich das Regenwasser bei Starkregen ansammeln kann und wo das Wasser hinfließt. So ist zu sehen, welche Straßenzüge und welche Grundstücke besonders gefährdet sind. Die Stadt nutzt sie zur Planung von vorsorgenden Maßnahmen, beispielsweise die Einrichtung von Notwasserwegen, um das Wasser schadlos abzuleiten, z.B. in Parks oder unterirdische Speicher. Die Menschen sollen aber auch dafür sensibilisiert werden, dass sie selber Maßnahmen treffen müssen. Die Stadt hilft dabei, zum Beispiel mit der Broschüre Hamburg schützt sich vor Starkregen.

Was hat Starkregen mit dem Klimawandel zu tun?

Wolken und Niederschlag entstehen, wenn der in der Luft vorhandene Wasserdampf kondensiert. Das passiert, wenn wärmere Luft aufsteigt und in höheren, kälteren Luftschichten abkühlt. Denn kältere Luft kann weniger Wasserdampf aufnehmen, so dass sich bei Abkühlung Wassertröpfchen bilden, die sich zuerst als Wolken und später als Niederschlag zeigen. Die stärksten Regenfälle gibt es bei sogenannten konvektiven Wetterlagen, wenn durch instabile Luftschichten heftige Luftströmungen nach oben entstehen – das sind die klassischen Sommergewitter. Die warme und feuchte Luft am Boden kühlt nach oben hin rasant ab, so dass durch die schnelle Kondensation extreme Niederschlagsmengen entstehen. Und dabei gilt: Je wärmer es ist, desto mehr Wasserdampf kann die Luft festhalten und desto mehr Regen kann auch wieder runterkommen. So sorgt Erderwärmung, zusammen mit einer höheren Verdunstung, für höhere Starkregenrisiken. Dies beschränkt sich nicht nur auf den Sommer, denn dadurch, dass die Winterniederschläge zunehmen, steigen auch dann die Starkregenrisiken, aber eher im Bereich des lang anhaltenden Dauerregens.

Wie kann man sich vor Starkregen schützen?

Im RISA-Prozess erarbeiten die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft und HAMBURG WASSER gemeinsam Konzepte und Lösungen für einen zukunftsfähigen Umgang mit Regenwasser, die nun flächendeckend umgesetzt werden sollen. Regenwasser soll erst einmal gesammelt und später langsam wieder abgegeben werden. Begrünte Dächer, Mulden und Teiche aber auch Notspeicher unter Sportplätzen, in Parks oder als Regenspielplatz helfen dabei. Außerdem kann die Stadtnatur helfen: mit Flächen, in denen Wasser versickert. Wer seinen Garten nicht durchpflastert, sondern viele bewachsenen Flächen mit dicker Humusschicht einplant, der mindert das Risiko für sich und alle anderen. Die Hamburger Energielotsen beraten zu diesem Thema, entweder im Beratungszentrum am Elbcampus, oder bei dir vor Ort.