Was ist eigentlich… ein echter Winter?

Der vergangene Winter war in Hamburg zwar nicht der wärmste seit Beginn der offiziellen Messungen, aber der erste Winter ohne Eistag. Ein Weckruf für die Klimapolitik.

Ein Winter ohne Eistag

Ein Eistag ist ein Tag, an dem die Temperatur 24 Stunden lang unter Null Grad Celsius bleibt. Im Winter 2019/2020 gab es davon in Hamburg keinen einzigen – zum ersten Mal seit Beginn der offiziellen Temperaturmessungen. Ein trauriger Rekord. Zudem gab es an nur elf Tagen Frost und damit noch sechs Tage weniger als beim letzten Rekord aus dem Jahr 2007.

Höchstwerte im Februar

Außerdem wurde in Hamburg in diesem Jahr der wärmste Wintertag aller Zeiten gemessen: Am 16. Februar betrug die Höchsttemperatur 17,4 Grad Celsius. Auch Schneefall wurde im gesamten Winter lediglich zweimal gemessen. Das ergibt eine Auswertung der Messungen an der Wetterstation vom Deutschen Wetterdienst am Standort Hamburg-Fuhlsbüttel, ausgeführt durch die Behörde für Umwelt und Energie.

Immer wärmer

Für einen langjährigen Vergleich wird in der Klimaforschung die Referenzperiode von 1961 bis 1990 herangezogen. In dieser Referenzperiode betrug die durchschnittliche Temperatur im Winter in Hamburg 1,1 Grad. In den 30 Jahren danach ist die Durchschnittstemperatur um 1,4 Grad angestiegen – sie liegt mittlerweile bei 2,5 Grad. Ein deutliches Zeichen, dass der Klimawandel auch in Hamburg angekommen ist.

Ungewöhnlich nass

Der vergangene Winter war aber nicht nur warm, er war insgesamt auch ungewöhnlich nass. Im gesamten Winter fiel 269,9 mm Regen, etwa 54 Prozent mehr als im Durchschnitt der Jahre 1961 und 1990. Im Vergleich zur Referenzperiode fiel in den Wintern der letzten 30 Jahren circa 11 Prozent mehr Regen. Immerhin hat der Regen in diesem Winter die vor allem für die Land- und Forstwirtschaft gravierende Dürre aus 2018 und 2019 inzwischen fast ausgeglichen. Die Frage ist nun, was im Frühling und Sommer passiert.

Anpassung an den Klimawandel

Klimamodelle zeigen, dass dieser Trend sich fortsetzt: Wir müssen mit immer wärmeren Wintern und verändertem Niederschlag – bis zu 41 Prozent mehr – rechnen. Mehr Regen im Winter und weniger im Sommer, aber auch Starkregenereignisse stellen die Stadt vor große Herausforderungen. Mit mehr Klimaschutzmaßnahmen können wir diesen Trend nur zum Teil aufhalten. Das bedeutet, dass wir uns alle schon jetzt auf die veränderten Bedingungen einstellen und uns an den Klimawandel anpassen müssen.